UTOPIES PROCHAINES - L'avenier ist nicht mehr hier

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07.05.2009 – 30.05.2009

 

Künstler: Bettina Carl und Rafael Grassi | Installation, Zeichnung, Collage, Video

 

Vernissage: 07.05.09, ab 19:00, mit einer Einfühurng von Irene Müller
Künstlergespräch: 23.05.09, ab 17:00
Finissage: 30.05.09, ab 17:00

Unter den Jubiläen des Jahres 2009 ragt der 200. Geburtstag Charles Darwins heraus, und fast auf den Tag genau jährte sich am 20.02.1909 die erste Veröffentlichung von Marinettis "Futuristischem Manifest" in Le Figaro, Paris.

 

UTOPIES PROCHAINES - l'avenir ist nicht mehr hier ist der Titel einer Installation, die Rafael Grassi und Bettina Carl speziell für den Kunstraum Winterthur entwickeln. Der Maler Rafael Grassi und die Zeichnerin Bettina Carl gehen dabei von Arbeiten aus neuen Werkgruppen aus, die zunächst nicht als Referenzen an die oben genannten Jahrestage entstanden sind. Im evolutionären Prozess der künstlerischen Zusammenarbeit hat sich diese Koinzidenz jedoch als inhaltlich und formal sehr inspirierend erwiesen. Die Installation wird ein Territorium beschreiben, auf dem u.a. gezeichnete Einheimische, Holzroboter und Fernsehzuschauer zusammentreffen, sich mit dem Ausstellungs-publikum auseinandersetzen werden - und vice versa.

 

Rafael Grassi verlässt für UTOPIES PROCHAINES sein gewohntes Arbeitsfeld, die Malerei, und konzentriert sich auf die Installation und auf Arbeiten auf Papier. Seine aktuellen Zeichnungen wirken so flüchtig, wie das Medium, aus dem sie schöpfen; Grassi hat gezappt und geangelt. Aus wenigen, aber bunten Zutaten formen sich Titel von Fernsehsendungen, abstrakte Muster und Gesichter auf den A 4 - Blättern, dazwischen herrscht Leere. Das scheint harmlos, ist aber häufig ziemlich böse: „Wollte man die Menschheitsgeschichte als Bewegung von einem animalisch-natürlichen Zustand hin zu einem kulturell und maschinell geprägten Dasein deuten, dann könnten wir uns heute an einem Punkt befinden, an dem das Subjekt alle revolutionären Vorhaben aufgegeben hat und sich seine Bestimmung in der Ablenkung und Unterhaltung erschöpft, das heißt: es geht darum, auf den Tod zu warten, dabei aber an was Nettes zu denken." (Rafael Grassi)

 

Dazu gesellen sich Zeichnungen von Bettina Carl, größtenteils aus ihren Serien „Holzroboter“ und „The Locals“, deren Formate von A 5 bis über zwei mal drei Meter reichen. Die Künstlerin arbeitet ausschließlich auf Papier und ergänzt ihre Zeichnungsinstallationen oft mit dreidimensionalen Elementen. Bettina Carls „Holzroboter“ treten als tragikomische Protagonisten gescheiterter künstlerischer Utopien auf. Ein „Holzroboter“ kann Tier, Mensch oder Maschine sein, ein halb organischer Automat, zusammengebastelt aus Geometrie und Abfall.
Die Figuren der Serie „The Locals“ dagegen sind Zeitgenossen, keine verlorenen Ritter der modernen Avantgarde. Wie auch andere Identitätsmerkmale ist 'einheimisch' ein Attribut, das uns vor allem von anderen, im Blick von außen zugedacht wird. Bettina Carls "Locals" ähneln häufig Affen, sie haben ihre Haustiere oder D+G-Sonnenbrillen dabei, und geben eine Ansammlung mitteleuropäischer Prototypen ab. Frei, auch frei von existenziellen Bedrohungen, stehen sie furchtsam oder wütend, meist ziemlich traurig, in der Landschaft herum.

 

Das Projekt von Rafael Grassi (Chur, CH, *1969) und Bettina Carl (Coburg, D, *1968) für den Kunstraum Winterthur ist das Ergebnis eines intensiven künstlerischen Austausches, der 2006 in Winterthur begann. Damals waren die Zeichnerin aus Berlin und der Maler aus Paris ein halbes Jahr lang als artists in residence der Villa Sträuli zu Gast.