TMP
07.05.2010 - 20.06.2010
Künstler: Alex Meszmer/Reto Müller
Vernissage: 14.05.2010 ab 19:00 (Einleitende Worte von Urs Leuzinger)
Finissage: 20.06.2010, ab 17:00
Ich bin ein Museum (TMP)
„Das Ereignis ist nicht das, was passiert. Das Ereignis ist das, was erzählt werden kann.“ Allen Feldman
AD FINES – „an der Grenze“, der lateinische Name von Pfyn, bezeichnete das Grenzkastell zwischen den römischen Provinzen Gallien und Obergermanien. Als das Kastell ab etwa 295 n. Chr. gebaut wurde, war das Römische Reich gezwungen, die Grenzen vom Limes, der quer durch Süddeutschland verlief, an die natürlichen Grenzen Rhein/Bodensee zu verlegen und dort eine neue Befestigungslinie aufzubauen. Die Nähe zu den Aussengrenzen des Imperiums und die dauernde Gefahr durch einfallende Barbaren bestimmten den Alltag der Soldaten.
Wenn wir uns vorstellen, dass wir den Standort von AD FINES / Pfyn aus der Sicht eines römischen Bürgers im 4. Jahrhundert betrachten, dann scheint dieser Platz am Rande des Reiches vor allem absolut weit weg vom Zentrum, von der Metropole und der Zivilisation entfernt gewesen zu sein. AD FINES lag nicht nur an der Grenze des Römischen Reiches, sondern auch am ENDE DER WELT, am Ende der Zivilisation. Da, wo die Gefahren lauerten, die Menschen mit anderen Sitten, unverständlicher Sprache und rauem Gebaren, die täglich die Zivilisation bedrohten. Wer wollte freiwillig dorthin?
Verwunderlich, dass bereits 4000 Jahre früher Menschen an diesem Platz siedelten und in der Jungsteinzeit ein kleines Zentrum aufbauten – archäologische Funde belegen ein Dorf, dessen Keramikfunde so ausserordentlich waren, dass eine geschichtliche Epoche, die Pfyner Kultur, danach benannt wurde.
Im Mittelalter verschlug es einen wahrhaften Tyrannen nach Pfyn, dessen Leben Anlass für Sagen und Geschichten bot, die bis heute im Thurgauer Sagenschatz belegt sind und die wechselvolle Geschichte des Ortes bietet bis heute eine Fundgrube an Erzählungen, Erlebnissen und Erfahrungen menschlicher Schicksale.
Seit 2006 arbeiten Reto Müller und Alex Meszmer an den Projekten zeitgarten.ch, Kommunikations- und Sammelstelle für Geschichte und Geschichten der Gemeinde Pfyn, einem digitalen Archiv und dem Transitorischen Museum zu Pfyn, einer lebendigen, sich dauernd verändernden Repräsentationsform des digitalen Archivs, das sich mit grundlegenden Fragen zu Geschichte und Geschichten, zu Kultur, Zeit, Sammlung und mit Überlegungen zu den Vermächtnissen unserer Kultur auseinandersetzt.
Was bleibt von uns? Wie blickt man auf unsere Zeit zurück? und: Was wird Bedeutung haben? Wie entsteht Geschichte? oder: Von wem wird sie gemacht? sind Ausgangspunkte der Recherchen und Sammlungen von zeitgarten.ch. Mit Installationen und Veranstaltungen gehen Reto Müller und Alex Meszmer diesen Fragen nach und stellen Versuchsanordnungen auf, durch die sich kollektive und individuelle Erinnerungen, autobiographische und historische Ereignisse überlagern, ergänzen oder verändern können. So flechten sich die Geschichten der Besucher, mit den Erlebnissen von Pfyner Bürgern, persönlichen Fragmenten der Künstler und historischen Ereignissen zu ausufernden Erzählungen und temporären Konstruktionen möglicher Wirklichkeiten.







