Superfurz
19.02.09 - 14.03.09
Künstler: Mischa Camenzind - Mixed Media
Vernissage: 19.02.2009, ab 19:00
Künstlergespräch: 12.03.2009, ab 19:00
Finissage: 14.03.09, ab 17:00
Sexskandale, Drogenexzesse, Verschwendungssucht, Gewalt, Bulimie, Magersucht, Depressionen oder Su-izide sind ständige Begleiter im Leben von Celebrities. Ist es Zufall, dass die meisten von ihnen Probleme solcher Art haben? Sind Ausschweifungen, Süchte und Tragödien nur die Kehrseite des Triumphes oder die Voraussetzung zum Phänomen dieser „Helden“ ?
In Mischa Camenzinds Arbeit Superfurz geht es um das Hinterfragen dieser Welt, wie sie in den Boulvardme-dien dargestellt wird und die Entlarvung des Glamours durch Skandale, als verklärenden Schein.
Die neun Collagen, die durch die Petersburger Hängung einerseits das Repräsentationsbedürfnis dieser Men-schen symbolisieren, sind andererseits durch die Formatierung zu einem grossen Einzelbild der Anfangs-punkt, von wo aus der Künstler seine Fäden zu diesem Thema weiterspinnt und vertieft. Auf ihnen überzeich-net Camenzind, durch die für Ihn sehr typische Maximierung, nicht nur die physische Nacktheit, sondern auch die Entblösung im metaphorischen Sinne, also Drogensucht, Essstörungen, oder eine andere Form des Kontrollverlustes.
Die meisten Berühmtheiten sind getrieben zum Exhibitionismus. Ihre sorgfältig konstruierten Exzesse und Star-Images haben einen ausgesprochenen Produktcharakter und werden innig zelebriert. Es sieht danach aus als würden sie diese Selbstinszenierung in der Boulvardmedien brauchen. Ja als wäre diese Form von Beachtung ein grosser Teil eines konstruierten Selbstbewusstseins. Dadurch wird ihnen oft eine histrionische Persönlichkeitsstörung nachgesagt.
Das auffälligste Objekt dieser Ausstellung, welches sich diesem Thema widmet ist sicherlich die Kerzenbüste. Sie symbolisiert durch die Selbstfellatio und den riesigen Penis, den offen zur Schau gestellten und zelebrier-ten Narzissmus und offenbart bei näheren hinschauen unter dem rosa eingefärbte Wachsüberzug eine unebe-ne und leicht angeschlagen wirkende Gipskonstruktion als einen Teil dieses konstruierten Selbstbewusstseins. Im Kopf des Objekts brennt eine Kerze, die das Histrionische, den zwanghaften Glanz und Schein für das Gegenüber verkörpert. Da das Objekt aber durch nichts reflektiert wird, respektive der Wachs im Kopf nicht aufgefüllt wird, brennt es aus bis innerlich nur noch das leere Konstrukt übrigbleibt.
Mit einem grossformatigen Wandbild widmet sich Camenzind durch einen umformatierten Jakobsweg dem säkulären Kult, der um die Stars betrieben wird. Dieser Kult, der eigentlich sehr religiöse Züge trägt, nährt sich aus einer Vielzahl von Mythen, die sich um die, zu vergötternde Person ranken. Diese Mythen und Legenden, deren Wahrheutsgehalt schwer zu überprüfen ist, entstehen aus einer Vermischung von medien-vermittelten Bildern und Erzählungen anderer Personen. Das Fernsehen und die Printmedien sind die gewaltigsten Lie-feranten solcher sozialer Images und Botschaften. Auch der Künstler arbeitet hier mit den verschiedensten Medien und erweitert die dreidimensionale Assemblage um den Faktor Zeit, indem er einen Hellraumprojektor benützt der sich alle paar Minuten einschaltet und wieder ausschaltet und dadurch eine zusätzliche Bildkom-ponente offenbart.
Die Fotoarbeit „Roter Teppich“ bei welcher der Künstler unbekannte Menschen auf der Strasse aufgefordert hat auf den roten Teppich, den er eigens dafür durch die ganze Stadt getragen hat zu treten und sich fotogra-fieren zu lassen, wiederspiegelt in gewisserweise unsere eigenen Sehnsüchte und Projektionen. Den Wunsch in uns allen: Berühmt zu sein und von allen geliebt zu werden. Den schlussendlich bedeutet berühmtsein nichts anderes als geliebt werden von Menschen, die man selber nicht kennt.
Dieser von der Gesellschaft erhaltene Sonderstatus, den selbst die abwertenderweise B oder C-Promis, in der Schweiz auch Cervelatprominenz genannten Persönlichkeiten innehaben, ist sehr kurzlebig. Er muss täglich wieder aufs Neue, mit Hilfe der Medien konstruiert werden. Dies drückt Camenzind durch eine vergängliche Installation aus, welche in einem Dialog mit einer Videoskulptur steht. Die Installation setzt sich zusammen aus echten Cervelats, die von der Decke herunterhängen und während der Ausstellung langsam verschim-meln und verroten, bis sie sich ganz auflösen.
Text: Jana Vanecek


