Raphael Zürcher
Zur Arbeit
Das Archiv des Rapun Zukerdos
Die Reise zum Mittelpunkt der
Welt, Pt. I
War am Ende alles nur reiner Zufall, oder ist es Ihm tatsächlich
geglückt, einen Zugang zum Mittelpunkt der Welt zu öffnen? Ohne
nennenswerten Erfolg, versucht Rapun Zukerdos seit Jahren die
verborgenen Zeichen zu deuten und mit ihnen die verlorene Sprache der
„Alten“ zu erlernen.
Doch zu abstrakt schienen die Bilder, zu
verworren ihre Zusammenhänge und zu überwältigend ihre Zahl. Versunken
in sein unmögliches Unterfangen verlor Rapun über die Jahre mehr und
mehr den Sinn für das, was die „Anderen“ als Realität bezeichneten und
drohte darob beinahe ganz aus dem Gedächtnis seiner Zeit zu
verschwinden. Was als hoffnungslose Sackgasse anmutete und im
Wahnsinn zu enden drohte, wurde für Rapun zu eben jener Schwelle, durch
welche ihm der Blick in eine andere Welt geöffnet wurde.
Der Kunstvermittler Raphael Zürcher (*1984) gewährt im Kunstraum
Winterthur erstmals Einblick in Teile des „Archivs des Rapun Zukerdos“.
Zahlreiche Tuschzeichnungen, Notizzettel und grossformatige Gemälde
dokumentieren Zukerdos‘ wahnwitzigen Versuch, sich einen Zugang zum
sagenumwobenen Mittelpunkt der Welt zu verschaffen. Für die Fertigung
seiner Bilder verlässt sich der exzentrische Archäologe und
Geisteswissenschaftler keineswegs auf das, was er mit blossem Auge
erblickt, sondern nutzt eine eigens entwickelte Technik, die ihn hinter
die Fassade des Gewöhnlichen in eine bisher verborgene Welt blicken
lässt.
Die Ausstellung im Kunstraum Winterthur knüpft an den vom Schweizer
Kurator Harald Szeemann geprägten Begriff der individuellen Mythologie
und erweitert dessen These um die Frage nach einem individualisierbaren
Realitätsbegriff im Zeitalter der freien Nutzung und Gestaltung von
(digitalen) Informationsmedien. Ist die aufgeklärte Gesellschaft nach
dem Welbild der modernen Wissenschaft bereits ein Auslaufmodell, welches
unter einem künstlich produzierten, im Millisekunden Takt wachsenden
Berg aus losen (Halb-) Wahrheiten begraben gar selbst zu einem Mythos
geworden ist.
Die Ausstellung „Das Archiv des Rapun Zukerdos“ nähert sich dieser
Fragestellung mit einem kulturgeschichtlich sehr alten, dank seiner
Unmittelbarkeit jedoch stets aktuellen Medium; Der einfachen (Tusch)
Zeichnung.

