Sommeratelier

Sommeratelier

02.08.09 - 02.09.09

Balu Wiesmann, Christine Müller, Daniela Villiger, Miro Schawalder, Salam Abdus, (Artist-in-Residence der Villa Sträuli ermöglicht durch Pro Helvetia)


Vernissage 03.09.09 ab 19:00, danach Apéro mit Musik und Lesung in der Villa Sträuli um 20:30

Finissage 26.09.09 ab 17:00

Der Kunstraum Winterthur lädt fünf Künstler in seinen Räumlichkeiten zum Sommer-Atelier ein. Der Kunstraum als Atelier kann während den regulären Öffnungszeiten oder nach telefonischer Vereinbarung besucht werden: 052 232 04 22

Mi 15:00 - 18:00, Do 18:00 - 21:00, Sa 15:00 - 18:00

Pressetext

In den vergangenen vier Wochen war der Kunstraum Winterthur für einmal nicht ein Ausstellungsraum, sondern das gemeinsames Sommeratelier von fünf Künstlern. Salam Abdus, Christine Müller, Miro Schawalder, Daniela Villiger und Balu Wiesmann wurden vom Kunstraum Winterthur dazu eingeladen, hier zu schaffen und den Ort und seine Umgebung einzubeziehen. Das Resultat dieser intensiven Arbeit miteinander und neben einander kann nun bis 26. September besichtigt werden.

Salam Abdus, der dank Unterstützung von Pro Helvetia noch bis Ende September als Artist-in-Residence der Villa Sträuli in Winterthur gastiert, stammt aus Bangladesch. Von ihm sind in der Ausstellung zwei Werkgruppen zu sehen. Im Kabinett raum hängen und liegen seine grossformatigen Frottage-Bilder, welche die Oberflächenstruktur von alten Winterthurer Fassaden, Brunnenwänden und Dolen wiedergeben. Für seine Abriebe verwendet er mit Aquarellfarbe durchtränkte Büttenpapiere. In ihrer Gesamtheit ergeben sie ein buntes Patchwork und bilden die geschichtliche Spurensuche 1:1 ab. Seine zweite Werkgruppe umfasst gemalte Film-Stills, welche Szenen aus dem vulgären, sprich mit Erotik und Gewalt gewürztem "Bangla Kino" zeigen.

Christine Müller, die in Winterthur daheim ist, hat im hinteren Ausstellungraum ein leicht altertümliches Wohnzimmer eingerichtet, wo sie an zehn Abenden sechs Leute bewirten wird. Da sich die Gäste untereinander nicht kennen, hofft sie auf spannende Begegnungen. Die Abendessen werden auf Video aufgezeichnet und dann in der Ausstellung vorgeführt. Das Premiere-Essen findet an der Vernissage statt.

Beim Zürcher Künstler Miro Schwander geht es ebenfalls ums Essen bzw. um den Wandel der Esskultur. Sein Video befasst sich mit dem 1956 erbauten Wohlfahrtshaus der Firma Sulzer in Oberwinterthur, das trotz Widerstand in Bälde abgerissen wird. Knapp 50 Jahre lang wurde hier eine Katine für die Fabrikarbeiter geführt. In Zeiten von Fast Food und Business Lunch ist das Essen funktional geworden. Schawalder wirft in seinem Film einen Blick zurück auf die Geschichte des Wohlfahrts hauses und verschränkt sie mit Ess-Szenen aus "Modern Times", "Pretty Woman" und anderen Filmdokumenten.

Die Rapperswilerin Daniela Villiger hat eine Art Karton-Hütte gebaut, welche Innen- und Aussenraum durch Ausbuchtungen miteinander verbindet. Ihr Gehäuse gleicht mehr einer molekular gewachsenen Struktur als einer errechneten Konstruktion. Durch Aufpfropfung (mittels Klebband) hingegen ist ihr geweihähnliches Geäste über die Raumecke hinweg zusammen-gewachsen.

Von Balu Wiesmann, der zweiten Winterthurer Künstlerin in der Ausstellung, konnte man im letzten Jahr bereits Werke im Kunstraum sehen. Sie hat den Einbezug der Umgebung wörtlich genommen und zuerst einmal alles zusammengelesen, was sie vor Ort gefunden hat, ob Stecklein, tote Hornissen oder andere Fundstücke. Um sich ein wenig behaglicher fühlen, hatte sie bereits beim Bezug des Sommerateliers ein Stück Tapete an die Wand geklebt und von einer Wohnungsräumung in der Nachbarschaft eine Zimmerpflanze samt Beistelltischen herübergerettet. Inzwischen hat Balu Wiesmann ihr eigenen Tapeten kreiert, wo sie zum einen das Geäst von Daniela Villiger als Motiv zeichnerisch in einen Rosenteppich verarbeitet, zum anderen das Motiv der toten Hornissen ihren leicht unheimlichen Nachtphantasien beigesellt.

Insgesamt ist eine spannende Ausstellung zum Thema Ort als Identität und Essen als Form der Begegnung entstanden.

 

Pressetext : Lucia Angela Cavegn