Marcel Meury

 

Marcel Meury arbeitet in einer reduzierten künstlerischen Sprache, hat sich dabei jedoch nicht auf ein bestimmtes Medium festgelegt. Auch thematisch ist sein Werk offen genug, um verschiedene interpretationen zuzulassen, obwohl sich Schwerpunkte bilden: Ob er fotografiert, seinen eigenen Körper einsetzt und das ganze auf Video bannt oder neuerdings installativ arbeitet, der Körper mit seinen physischen und emotionalen Konnotationen in Bezug zu seiner konkreten umgebung ist stets präsent. ‚Camera obscura‘ heisst zum Beispiel eine Arbeit, in der dies zum Vorschein kommt: eine Person ist zu sehen – oder vielleicht besser, zu erahnen, denn die umrisse sind manchmal nur schattenhaft zu erkennen, verschwinden oder tauchen erst auf – in verschiedenen Umgebungen und ganz einfache Tätigkeiten ausführend: in einem Zimmer, dessen Wände mit Zeitungen ausgekleidet sind, am Boden kauernd, im selben Zimmer liegend auf einer Matratze, an einem Seil hängend, lesend in einem Dachstock, draussen zwischen gleichförmig rechteckigen, wie Grabsteine aussehenden Blöcken kniend. Der Künstler lotet sozusagen den Raum aus, indem er verschiedene Stellungen darin und dazu einnimmt. Beim Betrachten dieser Bilder schleicht sich jedoch auch ein Gefühl leiser Beklemmung, Ausweg- und Sinnlosigkeit, ja des Absurden ein. Tatsächlich geht es Meury nicht nur um die Frage des Verortetseins im Raum, sondern um die erfahrung einfachster Lebenssituationen, die jedoch an ganz existentielle Grenzen stossen können. Sei es, dass er in seinen Videos in einer endlosen Bewegung mit dem Kopf gegen einen Baumstamm stösst, mit einer zwischen den Zehen seines Fusses steckenden Gabel Reis von einem Teller offensichtlich in den nicht sichtbaren Mund schaufelt, auf einer Geröllhalde den Hang hinaufklettert, einen Stein rollend, oder sich in Cellophan einwickelt: der Schmerz ist ganz nah. etwas Gewaltsames und Schmerzhaftes, das scheint auch die begehbare installation, die Marcel Meury im Projektraum der Galerie einrichtet, zu vermitteln. Diesmal verzichtet er auf den einsatz des menschlichen Körpers, obwohl die körperliche Assoziation sehr wohl vorhan den ist und die Arbeit wie eine natürliche Weiterführung seines Themas des Körpers im Raum erscheinen lässt. Allerdings, wie alle Arbeiten des Kün- stlers, auch dieses Mal offen genug, um andere Assoziationen zuzulassen. Nicht umsonst wird der Betrachter hier direkt ins Werk mit einbezogen.