Der Traum von Solentiname

Saal

04.06.2009 - 27.06.2009

Künstlerin: Olivia Heussler, Fotografie

Vernissage: 04.06.09 ab 19:00
Künstlergespräch: 06.06.09 17:00
Finissage: 27.06.09 ab 17:00

Buchvernissage 04.06.09

Trotz der fortschreitenden Gleichberechtigung ist die Fotografie eine Männerdomäne. Während in der so genannten „Kunstfotografie“ das weibliche Geschlecht auf dem Vormarsch ist, werden die „grossen Fotografien“ der historischen Momente immer noch vorwiegend von Männern festgehalten.

Der Kunstraum Winterthur ist deshalb besonders stolz ihnen in der Ausstellung „Der Traum von Solentiname“ welcher ein eindrückliches Bild eines Landes, sammt Geschehnissen nahe bringt, von der Zürcher Fotografin Olivia Heussler zu zeigen. 

Im Jahre 1984 reiste Heussler erstmals nach Nicaragua. Sie war Mitglied der sandinistischen KulturarbeiterInnen Gewerkschaft ATSC und arbeitete eng mit den Kulturbeilagen der dortigen Tageszeitungen zusammen. Einige dieser Bilder waren in Nicaragua und internationalen Ausstellungen zu sehen.

Dabei ist Olivia Heussler nicht daran interessiert, die Geschichte bloss abzubilden. Es ist nicht ihre Art ein paar Aufsehen erregende Bilder zu "erbeuten" und dann so rasch wie möglich wieder zu verschwinden.

Ihre Fotografien brechen mit eingeschworenen Sehgewohnheiten, die sich die Rezipienten durch herkömmliche Konzeptarbeiten  angeeignet haben. Aus ihren Bildern spricht echtes Interesse und Respekt für die portraitierten Menschen. Dadurch ermöglicht sie es uns auf authentische Weise deren pluralistische Lebensformen sowie auch ihren Lebensinhalt zu erfahren.

Durch diese Herangehensweise wird sie immer wieder zu einer Protagonistin dieser Geschichte, jedoch meistert sie die Schwierigkeiten, die durch eine solche Teilnahme entstehen, nämlich die Realität zu persönlich einzufärben oder gar zu verfälschen mit Bravour.

Als fotografierende Aktivistin dient ihr die Kamera dabei nicht nur zum festhalten von historischen Augenblicken, sondern auch als Werkzeug zum erreichen eines affektiven Bewusstseins. Ihre Fotografie ist direkt, im Gebrauch fast schon wie ein Pinsel. Obwohl Heussler ihr Handwerk zweifellos beherrscht, wirken die Bilder nicht steril oder distanziert. Die Medialität oder Mechanik der Kamera stellt sich nicht zwischen das Erzählte und die Rezipienten. Das Fotografieren ist bei ihr vielmehr eine Geste, welche uns die empathische Wahrheit bei diesen grossen Ereignissen des Lebens ein wenig näher bringt. 

Zeitgleich erscheint im Patrick Frey Verlag eine Buchpublikation unter dem gleichen Namen.


(Text: Jana Vanecek)