Bettina Ammann
Kaffeeklatsch — Frau Müller, Frau Meier, Frau Schulze, Frau Schmidt, Die saßen zusammen beim Kaffee zu dritt. Die vierte war nämlich zu Hause, Sie hatte Kaffeeklatschpause. Die anderen aber berieten zu zwein, Wer von den vieren die dritte sollt sein, und kamen in hitzigem Rate Zu keinerlei Schlussresultate.
Kurt Schwitters ‚Kaffeeschwestern‘
Klatsch und Tratsch, Koffein und Zucker, kleine Alltagsinseln die unsere Sorgen vergessen lassen. Geschichten für den Augenblick. Die Sätze sind dahingeworfen, verflüchtigen sich. Hört überhaupt jemand zu oder Hauptsache was gesagt? Egal, es ist zu schön, diese Aufregung, dabei zu sein, ein Gefühl von leben. Ausgehend von Materialexperimenten mit Porzellan hat sich bei dieser Arbeit der klassische Anwendungsbereich des Materials für Kaffeegeschirr auf die ganze Tafel ausgebreitet. Die experimente waren eine Suche nach neuen Oberflächenbeschaffenheiten und Brennverhalten des Werkstoffs Porzellan, um damit die Stimmung einer Kaffeerunde heraufzubeschwören. unter dem Begriff Kaffeeklatsch sind drei objekte entstanden, welche die verschiedene Seiten einer solchen Runde aufzeigen. ‚Hast du schon gehört?‘ lebt von den Beziehungen der Personen während eines Kaffeekränzchens. Wer spricht mit wem? Wer hört überhaupt zu? und wer kriegt noch grosse ohren ob solcher Neuigkeiten? Was wird erzählt, Worte, die sich bereits im Nichts aufzulösen scheinen – Klatsch und Tratsch sind Geschichten für den Augenblick und nichts, das in Stein gemeisselt ist. Bei ‚Am liebsten drei‘ kommen erinnerungen an die Kindheit auf. Als man mit der Grossmutter ins Kaffee durfte und von ihren Freundinnen zum Naschen von all diesen Köstlichkeiten animiert wurde. Von so vielen Formen und Farben überwältigt, konnte man sich kaum entscheiden, und auf die Frage was es denn sein soll kam schon mal ein: ‚Am liebsten drei‘. Alles geht ein- mal vorbei, auch die schönsten Mo- mente, und doch möchte man noch ein wenig daran festhalten. ‚Nachmittags um fünf‘ ist die Zeit zwischen Nachmittag und Abend, zwischen Aufbruch und noch etwas sitzen bleiben. Die Zeit, die eine Geschichte hat, es ist etwas passiert in der Zwischenzeit, die Spuren sind noch lesbar. Man hat gegessen, getratscht und zuviel Kaffee getrunken. Man ist satt und glücklich und hat von allem genug, und doch ist es auch die Zeit der leisen Traurigkeit über ein kleines Stück Alltagsflucht, das nun zu Ende geht.

















